Worte unseres Pfarrers

Liebe Mitglieder unserer Gemeinden,
liebe Schwestern und Brüder,
in den 50 Tagen der Osterzeit feiern wir das Leben und unsere Erlösung. Wir denken an das Geheimnis des Glaubens: „Deinen Tod, o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit“. Wir erwarten dass Jesus wiederkommen wird. „Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann“, so soll der Schriftsteller Leo Tolstoi einmal gesagt haben. Warten können, das ist für viele Menschen eine sehr hohe Kunst, die man gerne beherrschen würde und an der man doch scheitert. Denn am liebsten haben wir alles jetzt und gleich, heute und sofort. Auch der zwischenmenschliche Bereich ist da nicht ausgenommen: Liebe müsste sich automatisch einstellen, Streit auf der Stelle lösen, Freundschaft sofort da sein. Doch für all das braucht es Zeit und Geduld. Es geht nicht alles so schnell, wie man es sich wünscht.
Auch die Frauen, die Jesus begleitet haben und bei seinem Sterben anwesend waren, müssen das Warten lernen. Am Karfreitag betten sie den Verstorbenen in Eile in das Grab, doch die Versorgung des Toten kann noch nicht erfolgen. Also müssen sie warten, die Trauer, den Schmerz aushalten, ohne etwas tun zu können. Erst als der Sabbat vorüber ist - am Sonntag in aller Herrgottsfrühe - brechen sie zum Grab auf. Es ist der berühmte "dritte Tag", an dem Jesus von den Toten auferstanden ist. Drei Tage des Wartens sind angesagt. Warten hat einen Sinn, kann aber auch zur Qual werden. Auch, weil sie uns Menschen mit dem eigenen Scheitern und mit Ängsten konfrontieren. Die zerbrochene Beziehung, die Sehnsucht nach Liebe, die Trauer um einen lieben Menschen gilt es in dieser Zeit auszuhalten. Gerne würde man vor all dem davonlaufen und kann es doch nicht. Dabei steckt in diesen symbolischen "drei Tagen" die Kraft, die wirkliche Veränderung bewirken kann. So wenig, wie die Auferstehung sofort am Karfreitag erfolgt, so wenig können wir alles im Leben sofort erreichen. Wir müssen warten. Aber dieses Warten kann uns helfen, einen neuen Blick zu gewinnen. Es lässt uns Abstand nehmen, aus dem sich neue Perspektiven eröffnen. Es wird möglich, Dinge anders wahrzunehmen, die Welt und die Mitmenschen mit anderen Augen zu sehen. In den drei Tagen Wartezeit steckt die verwandelnde Kraft, die es ermöglicht, dass sich vieles zum Guten wenden kann. Ostern zeigt uns Jahr für Jahr aufs Neue, wie gut es sein kann, Dinge nicht zu überstürzen. Trauer wandelt sich in Freude, Tod in Leben, Perspektivlosigkeit in neue Hoffnung. Wer das strahlende Licht der Osterkerze im Blick behält, für den wird das Warten leichter. Denn er weiß, dass in den drei Tagen unglaubliche Dinge geschehen können, mit denen niemand je zuvor gerechnet hätte.
Zusammen mit Pfarrvikar Anton Heinz, Pfarrer i.R. Erhard Schupp, Diakon Alfred Trebes, Gemeindereferent Andreas Roderer, Gemeindereferentin Kathrin Ritter, unseren Gottesdienstbeauftragten und den Beschäftigten in den Pfarrbüros wünsche ich uns allen, dass wir solche „glaubwürdigen“ Menschen sein können. Gleichzeitig wünsche ich Ihnen eine gesegnete und bereichernde Osterzeit.
Pfarrer Detlef Pötzl