Corona-Lockdowns fördern weltweit ausbeuterische Kinderarbeit

Erzbischof Schick fordert Umdenken zum Welttag gegen Kinderarbeit
Bamberg. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erinnert zum Welttag gegen Kinderarbeit (12. Juni) an alle Jungen und Mädchen, die für einen Hungerlohn und unter gefährlichen Umständen arbeiten müssen. „Durch die coronabedingten Schulschließungen und weitere Folgen der Pandemie müssen viele Kinder und Jugendliche in aller Welt jetzt noch mehr schwere Arbeiten leisten und sind stärker von ausbeuterischer Kinderarbeit bedroht“, zeigt sich der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz besorgt. Etwa 1,6 Milliarden schulpflichtige Kinder in mehr als 190 Ländern sind von den Schulschließungen durch die Corona-Pandemie betroffen. Viele werden nach den Lockdowns nicht wieder in die Schule zurückkehren. „Ihnen wird die Zukunft geraubt“, so der Erzbischof.
Das beschlossene Lieferkettengesetz sei „ein Schritt in die richtige Richtung“, auch zur Vermeidung von Kinderarbeit. Es müsse dringend ein Umdenken stattfinden. Deshalb solle beim Kauf von Produkten auf eine entsprechende Zertifizierung geachtet werden. „Wenn für ein fair gehandeltes Produkt einige Euro mehr bezahlt werden, dann ist das ein aktiver Beitrag gegen Kinderarbeit und für Menschenrechte“, sagte der Erzbischof. Die Kinderrechte auf Spiel und Spaß, Schule und Bildung, auf Gesundheit und unbeeinträchtigte Entwicklung müssten weltweit geachtet werden.
Die UN-Vollversammlung erklärte 2021 zum Jahr der Beendigung von Kinderarbeit. Die aktuelle Krise droht, die erreichten Erfolge im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit zunichtezumachen und die Situation der Kinder zu verschlechtern. Laut einer ILO/UNICEF-Studie steigen erstmals nach 20 Jahren die Zahlen von Kinderarbeit wieder an. Nach der UN-Konvention über die Rechte des Kindes dürfen Kinder keine Arbeiten verrichten, die gefährlich sind oder die Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung behindern.
Das Lieferkettengesetz soll 2023 in Kraft treten. Zuerst sollen Firmen mit mindestens 3000 Beschäftigten ihre gesamte Lieferkette im Blick haben, aber abgestuft verantwortlich sein. Ab dem Jahr 2024 kommen alle Unternehmen mit mindestens 1000 Beschäftigten hinzu.